Atomkraftwerke, die als künstliche Trabanten um die Erde kreisen und die Entmantelung des Jupiter
“”Noch in diesem Jahrhundert wird ein Baby auf dem Mond geboren.” Diese Vorstellung Wernher von Brauns erweitern amerikanische Forscher jetzt um eine zusätzliche Dimension: Eine ungewisse Energie- und Rohstoffzukunft werde die Menschheit schon um die Jahrtausendwende zur Kolonisation des Sonnensystems zwingen.”
Aus welchem Jahr stammt dieses Zitat?
1974.
Genauer aus dem Spiegel vom 17. Juni 1974.
Weiter:
“Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler entdeckten den erdnahen Raum als sonnengespeiste Gratis-Energiequelle und erwägen, die Planeten und den Mond als Rohstofflager zu erschließen - als Materialspender für Atomkraftwerke etwa, die als künstliche Trabanten um die Erde kreisen sollen. Der sowjetische Kosmonauten-Chef Wladimir A. Schatalow: “Glauben Sie, das sei phantastisch? Nicht im geringsten.”
…
Unter dem Eindruck einer von globalen Atom- und Umweltkatastrophen bedrohten Erdbevölkerung diskutierten jüngst auch Physiker und Raumfahrt-Wissenschaftler an der Princeton Universitiy erstmals das Thema “Kolonisation des Alls”, bis dahin allenfalls Stoff für Science-fiction.
…
Resümee der wissenschaftlichen Zukunftsschau … Innerhalb eines Jahrhunderts werde der großte Teil der Menschheit in einem dichten Netz von Weltraum-Stationen leben, denen wenig später die ersten Kolonien auf dem Mond nachfolgen könnten. O´Neill: “Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir draußen komfortablere, produktivere und attraktivere Wohnstätten als auf der Erde bauen können.”"
Bemerkenswert - 1974 sollte man schon an dem Punkt angekommen sein, um komfortabler, produktiver und attraktiver im Weltraum bauen, leben und arbeiten zu können als auf der Erde.
“Auf dem Princeton-Kongreß zum Beispiel wurde der Bau von Raum-Kommunen diskutiert, die am Ende dreimal mehr Platz als die Erdoberfläche bieten würden. “Ohne dabei Indianer umbringen zu müssen”, so O´Neill, entstünden auf diese Weise dereinst politisch unabhängige Einheiten im All, deren Bewohnerschaft nach Milliarden zählen könnte.
Die ersten, freilich noch rudimentären Raum-Quartiere, in denen zunächst jeweils 10000 Menschen Platz finden, könnten nach Auffassung des Princeton-Physikers O´Neill schon Ende dieses Jahrhunderts bezugsreif sein.
…
Das auf dem Erdtrabanten herrschende Weltraum-Vakuum macht zudem möglich, was auf der Erde wirtschaftlich nur im Labormaßstab vertretbar ist: die Fabrikation hundertprozentig reiner Seren und Antibiotika, aber auch die Herstellung sauberer Metalloberflächen, denen keine qualitätsmindernden Gasmoleküle anhaften. Die Weltraumkälte liefert schließlich gratis jene tiefen Temperaturen, die zur Produktion supraleitfähiger, lichtschnell rechnender Computer-Bausteine nötig sind.”
Gratis Weltraumkälte und auf der Erde nur im Labormaßstab wirtschaftlich? Und was hatten die Wissenschaftler damals - 1974 - für eine Vorstellung, was für Kosten entstehen, um diese Gratisangebote auf dem Mond in Anspruch zu nehmen und das Produzierte danach auf der Erde verfügbar zu machen?
Aber es geht noch weiter:
“Dem Max-Planck-Preisträger Freeman J. Dyson schwebt schon ein von Menschenhand radikal umgestaltetes Sonnensystem vor.
So glaubt Dyson, daß zukünftige Raumfahrt-Generationen den Mond verlassen, die Asterioden - jene teils gewaltigen Gesteins- und Eisenbrocken zwischen Mars und Jupiter - näher an die Erde transportieren und zu wohnlichen Welten umbauen werden.
Auch die Formeln, die zum Bau erdgroßer Nebenwelten nötig sind, hat Dyson schon ersonnen. Seine weitestreichende Vision zielt auf die “Entmantelung” des Jupiter ab, aus dem sich seinen Berechnungen zufolge 38 neue Erd-Welten oder 3000 Erd-Monde herauskatapultieren ließen.”
Die letzte Frage, die der Artikel im Spiegel stellt ist was ist, wenn die “zukünftigen Planeten-Ingenieure eines durchtechnisierten, in Reih und Glied formierten Sonnensystems überdrüssig sind?”
Die logische Antwort:
“Dann, so wieder Isaac Asimov, werden sie ihre Kunstwelten außerhalb des Sonnensystems durch die Sternenkorridore der Milchstraße bugsieren: “Wozu ewig und zwecklos um die Sonne kreisen, wenn man in den Rang eines eigenständigen Bestandteils des Universums aufsteigen kann, an keinen Stern gebunden?”
Das ganze wird übrigens im Artikel in keiner Weise kritisch gewürdigt oder hinterfragt.
Literatur: Der Spiegel: “Millionenstädte im Weltraum”, Nr. 25, 17. Juni 1974, Seiten 104 bis 106.
Abgelegt unter: Gelesen 2. August 2007 14:55
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
Spiegel Online zeigt sich gnädig
Google Blog-Suche mit Suche nach Zeiträumen
Kommentare geschlossen.