Ebay und illegale WM-Ticket-Auktionen

Bei Ebay wird fleißig mit Tickets zur Fussball-WM 2006 gehandelt. Das möchte die Fifa, vertreten durch den DFB nicht sehen.

Auf der anderen Seite gibt es aber viele, die nun doch nicht zu einem WM-Spiel gehen möchten oder können. Und dann gibt es die, welche die Chance nutzen wollen, ihr WM-Ticket zu vergolden, den vielfachen Erlös dessen zu erzielen was sie selbst bezahlt haben.

So ein Fall wurde jetzt vor dem Amtsgericht Frankfurt verhandelt. Bei einer Ebay-Auktion wurde zwei WM-Tickets mit einem Verkaufspreis von jeweils 55,- Euro für insgesamt 880,- Euro weiter verkauft.

Der DFB verweigerte in der Folge die Übertragung der Tickets auf die Namen der neuen Eigentümer. Diese Übertragung ist nötig, da die WM-Tickets personengebunden sind und die neuen Eigentümer sonst bei einer Personenkontrolle am Eingang eines WM-Stations abgewiesen worden wären.

Das Amtsgericht Frankfurt verurteilte den DFB dazu, die WM-Tickets auf die Auktionsgewinner zu übertragen, stellte aber eindeutig fest, dass es eine Einzelfall-Entscheidung sei.

Die Käufer der WM-Tickets stehen auf keiner Hooligan-Liste und das Amtsgericht Frankfurt sah auch die Interessen zur Bekämpfung des WM-Ticket-Schwarzhandel geringer an, als die Interessen der WM-Ticket-Käufer durch den eventuellen Verlust der ersteigerten WM-Tickets.

Der extrem überhöhte Preis der Tickets spielte für das Amtsgericht Frankfurt keine Rolle, da weder in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, noch den WM-Ticket-Verkaufsrichtlinien des DFB gesagt wurde, dass eine Verweigerung der Übertragung von WM-Tickets am Kaufpreis festgemacht wird.

Die wichtigste Einschränkung des Gerichts ist die Aussage, dass der DFB nur deshalb in diesem Einzelfall zur Übertragung der WM-Tickets verurteilt wurde, da es zum Zeitpunkt der Ebay-Auktion noch keine offizielle Ticket-Tauschbörse gab, bzw. noch nicht angekündigt war.

Zukünftige WM-Ticket-Auktionen bei Ebay sind davon allerdings nicht betroffen, da es jetzt eine offizielle Ticket-Tauschbörse der Fifa gibt.

Das bedeutet konkret, dass der DFB keine Verpflichtung hat, bei Ebay-Auktionen verkaufte WM-Tickets auf die neuen Eigentümer zu übertragen.

Ebay nimmt damit die Möglichkeit in Kauf, dass die zukünftigen Eigentümer der WM-Tickets auf wertlosem Schrott sitzen, weil sie letztendlich nicht in Fussballstation eingelasssen werden.

Das stört Ebay allerdings nicht - Spiegel Online:

“Bei eBay scheint sich jedoch niemand an diesen deutlichen Worten zu stören. Man halte an der bisherigen Entscheidung fest, den Handel zuzulassen, hieß es. Man sei sich der “besonderen Verantwortung hinsichtlich des Handels von WM-Tickets bewusst”.”

Wenn man doch WM-Tickets bei Ebay ersteigert kann man nur versuchen diese über die offizielle Ticket-Tauschbörse “an besondere Personen” - Familienmitglieder und dergleichen - übertragen zu lassen.

Spiegel Online dazu:

“Das Organisationskomitee wird sich mit Händen und Füßen gegen das Umschreiben von Tickets wehren, die bekanntlich namentlich ausgestellt sind, wenn diese bei eBay verkauft wurden.

Mauscheleien kann das OK natürlich nicht hundertprozentig ausschließen. Womöglich lernen sich demnächst Neffen oder Cousins reihenweise bei eBay-Auktionen kennen? Mit dem angeblich entfernten Verwandten, der den Zuschlag bekommen hat, geht der Verkäufer dann zur OK-Plattform und gibt die Karten ganz legal weiter. Dass da noch ein paar hundert Euro extra gezahlt werden, muss das OK ja nicht wissen.”

Ich weiß nicht, warum Ebay die Interessen seiner Nutzer - der Käufer - so wenig ernst nimmt und sie der reellen Möglichkeit aussetzt, sehr viel Geld für ein wertloses Stück Papier zu bezahlen.

Doch ich weiß es: Ein supertolles Marketing für die Auktionsplattform. Wer ist nicht alles auf der Suche nach WM-Tickets - und wo kann man die erhalten - mit ganz realen Chancen, wenn auch sehr teuer? Genau bei Ebay.

Und wie finanziert sich Ebay? Genau über Einstellgebühren und prozentualen Verkaufsprovisionen. Und diese Verkaufsprovisionen sind umso höher, je höher der erzielte Verkaufspreis der Ebay-Auktion ist. Und WM-Tickets sind im Vergleich zum Durchschnitt der Auktionsartikel bei Ebay sicherlich wesentlich teurer.

Fazit:

Ebay weiß, dass der DFB nicht verpflichtet ist, ersteigerte WM-Tickets auf die Auktionsgewinner zu übertragen. Ebay will WM-Ticket-Auktionen weiter betreiben und nimmt damit den potentiellen finanziellen Verlust seiner Kunden in Kauf. Und Ebay ist sich wieder einmal seiner “besonderen Verantwortung” bewusst - genauso wie bei den Sicherheitsproblemen auf der Ebay-Plattform.

Links zum Urteil:

Urteil des Amtsgerichts Frankfurt (.pdf)
Presseinformation des Amtsgerichts Frankfurt zum Urteil (.pdf)

Abgelegt unter: Gewarnt, Kundenservice, Verdienen     20. April 2006 20:44

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4 Kommentare

  • Maddy  |  22. April 2006 19:18

    Was leider überhaupt nicht wirklich diskutiert oder zumindest berichtet wird, ist die Tatsache, dass das sogenannte Ticketsportal nur eine Minderheit bedient. Eine “Tauschbörse”, wie viele schreiben, ist es schon gar nicht. Nicht allein, weil Börse ja etwas mit Wettbewerb zu tun hat….

    Einzeltickets aus TST-Serien, Tickets aus Gewinnspielen, Tickets aus dem Optionsscheinhandel und Tickets aus den Kontigent für Verbände und Vereine können im Ticketportal NICHT umgeschrieben oder ins den Resale gegeben werden. Wer z.B. ein Spiel einer TST-Serie (davon wurden allein 192 000 verkauft) nicht besuchen kann, muss die Tickets zwangsläufig verfallen lassen oder jemanden suchen, der auf eigenes Risiko - also mit falschen Namen auf der Karte- ins Stadion geht. Daher ist der ebay Handel absolut nachvollziehbar, denn wer schmeisst gerne die Kohle raus. Bei Gewinnspielen gewinnen die Glücklichen on air oft einfach nur Tickets. Erst später erfahren sie, für welches Spiel und stellen dann fest “da kann ich nicht hin”. Auch für sie gibts nur die Alternative “abgeben oder wegschmeissen.” Das OK geht ein großes Risiko. Entweder zigtausende gehen mit Tickets ins Stadion, auf denen nicht ihr Name steht oder man lässt diese Leute draussen und riskiert leere Plätze. Naja, Hauptsache auf der Einahmenseite hat man nichts versäumt. Eine gute Stimmung ist zwar schön, aber bringt nichts wirklich was in die Kasse.

  • André Fiebig  |  24. April 2006 16:53

    Danke für die Ergänzung!

    Ich bin bloß froh, dass ich kein WM-Ticket habe (und auch nicht will - die Fussball-WM-2006 kommt mir persönlich nicht so volksmäßig, fröhlich daher - vielleicht beim nächsten mal).

    Ich denke auch, dass viele mit einem Ticket auf einem anderen Namen ins Station gehen werden. Und bei der Vielzahl der Stationbesucher wird es wohl auch meistens nicht auffallen.

    Das wird sich aber schlagartig ändern, wenn erst alle Personalausweise, Pässe und die WM-Tickets mit RFID-Chips ausgestattet sind. Dann muss man nur am Eingang / Schleuse vorbeigehen und die Fifa kann per Funk-Abfrage überprüfen, ob die persönlichen Daten auf den RFID-Chips übereinstimmen.

    Nur mehr als blöd ist es dann, wenn ich das WM-Ticket bei Ebay für über 800,- Euro ersteigert habe und dann nicht reinkomme. Das lässt sich beim Originalpreis wohl finanziell eher verkraften.

  • WM in Deutschland - SEO B&hellip  |  8. June 2006 20:27

    [...] Was gab es für einen Trubel und wurde nicht alles über die WM Tickets geschrieben, zuerst das komplizierte Auslosungsverfahren. Dann die Klage wegen der WM Tickets und bei Ebay gab es auch noch illegale WM Ticket Auktionen. Zum guten Schluss hat es auch noch die armen VIPs erwischt, deren VIP Tickets mußte man nachpersonalisieren. Was waren das noch für glorreiche Zeiten als die Karten noch am Stadion verkauft wurden. [...]

  • Eifried, Waltraud  |  9. June 2006 11:58

    Ich finde das passt wunderbar zu der ganzen Organisation - ganz besonders in Bezug auf Kartenvergabe - der WM.
    Die hierfür Verantwortlichen habe sich ein ganz tolles System ausgedacht, welches genau diesen Schwarzhandel eindämmen sollte…
    Sie stellen sich also hin und personalisieren wie die Weltmeister, zumindest die Karten die sie offiziell in den Verkauf geben - aber macht ja nichts - sind ja nicht zu viele. Ansonten wird der Großteil der Karten den Sponsoren in den Rachen geworfen, natürlich ist hier erst mal keine Personalisierung nötig - auch schön… Wer dann welche Karten zu welchem Spiel und wo und wann auch immer gewinnt.. äh.. ja.. Klasse.. da freut sich der Gewinner auf jeden Fall.. denn.. durch die künstlich produzierte Kartenknappheit ist das, selbst wenn man nicht an Fußball interessiert ist, doch in der Tat ein lohnenswerter Gewinn.
    Wenn sich dann neben den ohnehin Fubballbegeisterten Fans , Väter/Mütter hinstellen und diese - in der Tat überteuerten, aber so ist nurn mal das Wirtschaftsprinzip - das Angebot regelt die Nachfrage und somit den Preis, Karten kaufen wollen um ihren Kids die Chance zu geben um bei solch einem Ereigniss dabei zu sein, ist es in der Tat traurig, dass man sich das kaum wagt, weil man nicht weiß, ob man für den bezahlten Preis (der oftmals auch gerne ein - und in den attraktiveren Spielen sogar mehrere- Montasgehälter übersteigt) die Karten überhaupt umgeschrieben bekommt.

    Also hiermit ein herzliches Dankeschön an die Organisationen, denen ich zu gerne all die wütentde Väter und Mütter die ihre Kinder aufgrund dieser hervorragenden Organisation enttäuschen müssen, samt den Fußballwütigen Fans, die jedes Wochenende die Stadien bevölkern, wenn es aber um die Spiele der Spiele geht, sozusagen Platzverbot erteilt bekommen, mal zum “Planungsbesprechnung” vorbeischicken können…

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