Eis-Kalter Krieg um Rohstoffe in der Arktis
Am Nordpol ist ein Eis-Kalter Krieg um Rohstoffe ausgebrochen. FTD: “Der Klimawandel lässt die Anrainerstaaten des Nordpols verrückt spielen: In der Hoffnung auf schmelzendes Eis und neue Rohstoffe stecken sie ihre Claims ab. Im Vordergrund steht die Show – die Erwartungen sind überzogen.”
“Die steigenden Temperaturen lassen die Eiskappe um den Nordpol schmelzen. Wissenschaftler befürchten, dass die Arktis schon 2040 fast komplett eisfrei werden könnte. Damit wäre die Ausbeutung der Rohstoffe einfacher.”
Die Anrainerstaaten stecken ihre Gebiete – Claims – ab und kämpfen um den Grenzverlauf am Nordpol. “Dass die Bodenschätze auch gehoben werden müssen, ist Nebensache. “Wir müssen zeigen, dass das Gebiet uns gehört”, fordert Alexander Brinken von der Russischen Geographischen Gesellschaft. “Es wäre falsch, wenn Australier in unserer Arktis nach Öl bohren.”
Russland und Norwegen streiten um den Grenzverlauf in der Barentssee, dort lagern Tausende Meter unter dem Meeresspiegel große Öl- und Gasvorkommen.
Russland und die USA streiten sich um Gebiete in der Beringstraße zwischen Alaska und Tschukotka.
Die USA und Kanada streiten um den Grenzverlauf in der Beaufortsee und die Nordwestpassage.
Dänemark und Kanada streiten um einen unbewohnten 1,3 Quadratkilometer großen Felsbrocken mit Namen “Hans”. “Seit der Jahrtausendwende kamen kanadische oder dänische Expeditionen abwechselnd nach Hans und pflanzten dort ihre Flagge ein – das Banner des Rivalen war auf mysteriöse Weise verschwunden. 2004 führten die Kanadier sogar Militärmanöver rund um die lebensfeindliche Insel durch.”
“Die Russen richten wie kein anders Volk ihre Blicke gen Norden. “Sie hängen an den Lippen der Klimaforscher, die den Eisrückgang prophezeien”, sagt Christian Reichert, Polarexperte der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Das Land suche Ersatz für seine großen Öl- und Gasfelder, die in den kommenden Jahrzehnten zur Neige gehen werden.”
Da die Arktis geologisch noch sehr unerforscht ist, kann heute allerdings noch niemand genau sagen was für Rohstoffvorkommen es dort überhaupt gibt und ob deren Ausbeutung technisch und wirtschaftlich möglich und sinnvoll ist. “Die Angaben der Russen über die Vorkommen im Lomonossow-Rücken seien ebenso “reine Spekulation” wie Schätzungen von US-Forschern, die ein Viertel aller globalen Öl- und Gasreserven unter dem Eis wähnen. “Da können Sie auch würfeln”, sagt Reichert.”
Ein weiteres Ziel – neben den Rohstoffen – ist die Schifffahrt durch die dann eisfreien Gebiete. Russland möchte die Nordwestpassage von der Barentssee bis zur Beringstraße wiederbeleben. “Weitaus greifbarer sind die Profite für die Schifffahrt. Russen und Amerikaner hoffen auf neue Handelswege durch Nordpolarmeer – denn dessen Eisfläche sinkt durch die globale Erwärmung dramatisch.”
Literatur: Financial Times Deutschland: “Das Eis ist heiß” von Claus Hecking und Andrzej Rybak, 14. August 2007, Seite 25.
Abgelegt unter: Gelesen, Politisches 14. August 2007 12:35
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