Intellektuelle Listen
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) äußert sich heute zu der Liste der 500 “deutungsmächtigsten deutschsprachigen Zeitgenossen” des Magazin Cicero.
Cicero ermittelte diese 500 wichtigsten Intellektuellen des Landes nicht ganz so nach Bedeutung, sondern rein quantitativ. Für die Liste wurde die Präsenz der Denker, Künstler und Publizisten in elektronischen Datenbanken der 83 wichtigsten deutschsprachigen Tageszeitungen und Magazinen, Nennungen im Internet, im Fernsehen und im Munzinger-Referenzarchiv gewertet.
Die bloße Häufigkeit der Nennung hat schon etwas mit Bedeutung zu tun. Aber eben nicht nur. Bedeutendes wird auch mal weniger häufig genannt und unbedeutendes dafür umso mehr.
Wie auch immer, die FAS verleiht ihrer Meinung: “Medienpräsenz ersetzt Gedankenkraft, und intellektuell ist, wer irgendwo irgendetwas schreibt. Je öfter einer archivier wird, desto intellektueller wird er. Wir fanden das großzügig.” mit ein paar eigenen Listen Ausdruck.
Drei Beispiele:
“20 Kultur-Prominente, die versehentlich auf der Intellektuellenliste landeten
1. Günter Grass (1.)
2. Harald Schmidt (2.)
3. Wolf Biermann (7.)
4. Elke Heidenreich (12.)
5. Stefan Aust (16.)
6. Hans-Olaf Henkel (17.)
7. Dieter Hildebrandt (19.)
8. Doris Dörrie (24.)
9. Ulrich Wickert (27.)
10. Hans-Werner Sinn (35.)
11. Hellmuth Karasek (42.)
12. Fritz Pleitgen (44.)
13. Leander Haußmann (45.)
14. Jürgen Flimm (47.)
15. Helmut Markwort (56.)
16. Benjamin v. Stuckrad-Barre (64.)
17. Peter Hahne (70.)
18. Eugen Drewermann (82.)
19. Klaus Bednarz (87.)
20. Thomas Brussig (90.)
17 Top-Intellektuelle, die Cicero vergessen hat
1. Franz Josef Wagner
2. Franz Beckenbauer
3. Werner Tiki Küstenmacher
4. Dieter Bohlen
5. Stefan Effenberg
6. Xavier Naidoo
7. Heiner Lauterbach
8. Dr. Ulrich Strunz
9. Judith Holofernes
10. Dr. Alfred Biolek
11. Lothar Matthäus
12. Sigmund Gottlieb
13. Erich J. Lejeune
14. Stefan Raab
15. Bill von “Tokio-Hotel”
16. Chiara Ohoven
17. Patricia Riekel
17b. Christiane Hoffmann
Preise, die keiner braucht. Und wer sie trotzdem annahm.
1. “Deutscher Medienpreis” von Media Control: Bono
2. “Politikaward - Aufsteiger des Jahres”: Ronald Pofalla
3. “Brisant Brillant” (ehemals “Goldener Wuschel”): Uschi Glas
4. “Gala Spa-Personality 2006″: Jerry Hall
5. “Duftstar Persönlicheit” (Ex-”FiFi”) der deutschen Fragance Foundation: Naomi Campbell
6. GQ-”Mann des Jahres” in der Kategorie “best dressed”: Thomas Kretschmann
7. “Goldener Prometheus - Journalist des Jahres”: Stefan Raab, Giovanni di Lorenzo, Maybrit Illner u.v.a.m.”
Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 14, 9. April 2006, S. 61
Leider sind Zeitungen nicht der einzigste Platz, wo scheinbar bedeutungsschwere Listen, mit rein mathematisch-statistischen Ergüssen, ohne eigentlichen Inhalt und ohne sich mit den einzelnen Punkten auseinander zu setzen, veröffentlicht werden.
P.S.: Beide Listen-Quellen - Cicero und FAS - online nur kostenpflichtig abrufbar.
Abgelegt unter: Gelesen 9. April 2006 17:05
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3 Kommentare
Tim | 17. April 2006 17:12
Ich finde solche Listen immer reichlich bescheuert. Vielleicht auch, weil ich spätestens ab Platz 15 nichts mehr mit den Namen anfangen kann ;-)
André Fiebig | 18. April 2006 08:34
Das ist ein Argument. ;-)
Jan | 20. January 2008 19:23
Leider kenne ich die Lsite nicht, vermute deshalb, die Zuordnung von “versehentlich auf der Intellektuellenliste landeten” und “vergessen” sind ironisch gemeint? Ist es genau umgekehrt? Wenn ja, das sollte kenntlich gemacht werden.
Wenn nicht, wo ist der Witz? Es mag intellektuellere Deutsche als Günther Grass geben. Aber die empirische Liste hat schon eine Rechtfertigung, sie spiegelt die Medienlandschaft wieder. Ob es 500 hätten sein müssen, sei dahingestellt.
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