Marketing-Tipps vom Bettler

“50 Cent für Essen junger Mann. Das bringt Glück.”

… sagte der Bettler am Ende der Fressgass` in Frankfurt am Main. Was lässt sich aus dieser Wortwahl lernen?

50 Cent: Nicht zu viel verlangen

Es scheint generell in Mode gekommen zu sein statt wie früher eine Mark zu erbitten heute gleich einen Euro zu verlangen.

Dieser Bettler ist schlauer. Er greift nicht zu hoch und hat wohl auch erkannt, dass so ein Eurostück eher seltener herausgegeben wird.

Mit 50 Cent, die so in der Hosentasche oder im Portemonnaie herumschwirren, tut man sich schon leichter.

Und der D-Mark-Euro-Effekt ist trotzdem noch drin: Man glaubt nicht so leicht den Gegenwert einer D-Mark zu geben, sondern eher 50 Pfennige.

Die Erfahrung wird den Bettler gelehrt haben, dass er mit der Bitte um 50 Cent wesentlich mehr einnimmt, als wenn er einen Euro verlangen würde.

Für Essen: Verwendungszweck angeben

In dem der Bettler den Verwendungszweck für die 50 Cent angibt, schafft er beim Passanten eher eine Motivation und das Bedürfnis ihm zu helfen.

Er gibt einen Zweck an, den jeder nachvollziehen kann und für notwendig hält: Essen.

Auf den Gedanken, dass es auch für Alkohol sein könnte kommt man dadurch nicht so schnell.

Junger Mann: Direkte Ansprache

Der Passant muss sich am besten direkt angesprochen fühlen, damit er sich verpflichtet fühlt etwas Geld zu geben.

Das ist das gleiche Phänomen wie bei Belästigungen in der Öffentlichkeit. Stehen in diesen Fällen andere Menschen um den Tatort herum und sehen die Szenerie, wird trotzdem selten von sich aus Hilfe geleistet.

Deshalb empfiehlt zum Beispiel die Polizei immer, Menschen direkt anzusprechen. Dazu bieten sich Merkmale wie Kleidung, Brille, Taschen etc. an: „Sie da mit der roten Jacke, helfen Sie mir!“

Ausflüchte und so tun, als ob man die Szene nicht sieht, sind nicht mehr möglich.

Durch direktes Ansprechen bezieht der Bettler den Passanten mit ein, schon dadurch, dass die meisten Menschen eine möglichst persönliche Ansprache sowieso bevorzugen.

Das bringt Glück: Der Passant tut was für sich selbst

Diese Aussage ist der stärkste Motivator, um dem Bettler die gewünschten 50 Cent zu geben.

Das bringt Glück – irgendwie bleibt das hängen und verursacht Zweifel. Glück hätten wir ja alle gern, oder mehr davon.

Und hier gibt es das Glück für nur 50 Cent.

Wenn ich nichts gebe, habe ich da im Umkehrschluss Pech? Das sorgt für Unwohlsein, wenn man nichts gibt.

Der Standort Fressgass`: Die Passanten haben gerade gegessen und getrunken

Ob dieser Standort ein Zufall ist oder nicht, lässt sich so nicht erkennen. Der Bettler stand am Ende der Fressgass` vom Bankenviertel in Frankfurt am Main aus gesehen.

Dass heißt, dass die Banker in der Mittagspause von der Bank über die Fressgass` gegangen sind und an deren Ende auf den Bettler stoßen.

Wer schon etwas gegessen und zu dem gerade stattfindenten Weinfest auch etwas Wein genossen hat, wird dem Bettler wohl häufiger die 50 Cent geben.

Die stecken vielleicht als Wechselgeld noch in der Hosen- oder Jackettasche.

Fazit:

Von der geringen Geldsumme, über den Verwendungszweck, der persönlichen Ansprache, der Motivation etwas für sich selbst zu tun und dem Standort ein perfektes Marketing für einen Bettler, um möglichst viel Geld einzunehmen.

Nutzen Sie diese fünf Punkte für ihr Marketing und geben Sie dem Ideengeber 50 Cent ab, wenn Sie ihn sehen.

(Passen Sie aber auf, dass Sie ihn nicht mit extra angereisten Bettlerbanden verwechseln, die auf ihren gleich aussehenden Schildern auch den gleichen Rechtschreibfehler haben.)

Abgelegt unter: Gesehen, Nachgedacht, Verdienen     8. September 2005 8:42

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