Monsanto Bt Cotton - Gentechnik und der Tod

Im aktuellen Spiegel* ist ein längerer Artikel über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Indien. Neben sehr viel positivem gibt es in diesem Artikel einen Abschnitt über die Situation der Bauern in Indien.

“… als der Bauer Punjaram Kubde aufstand und in den Nebenraum ging, wo die Saatsäcke lagerten, die Düngemittel und das Gift. Er goss Pestizid in einen Metallbecher und trank. Seine Frau fand ihn am Morgen tot auf dem Steinboden.”

Zur Beerdigung sind 200 Menschen gekommen “… mit ernsten Gesichtern, es ist der erste Fall in ihrem Dorf … 521 Bauern haben sich in diesem Jahr schon umgebracht in Vidarbha, vergangenes Jahr waren es über 1200. Fast alle benutzten Pestizide, einige zündeten sich an.”

“Punjaram Kubde war ein wichtiger Mann. Er hatte zwölf Hektar Land, ein großes Haus, ein Motorrad. Er war 45, ein kräftiger Kerl mit Schnurrbart und Baumwollbauer wie die meisten hier. Den “Bt Cotton” von Monsanto baute er an, den herkömmlichen Samen bekomme man nirgends mehr, sagen die Bauern. Die Händler bieten ihn nicht mehr an, keiner weiß, warum. Der genveränderte Samen ist teurer, man muss ihn jedes Jahr neu kaufen, die Saat macht die Hälfte der Produktionskosten aus. Und wenn sie zu viel oder zu wenig Wasser bekommt, reagiert sie viel empfindlicher als normale Baumwolle.

Im vorigen Jahr ersoff die Ernte im Regen, Kubde konnte den Banken die Kredite nicht zurückzahlen, sie gaben ihm kein Geld mehr. Er ging zu privaten Geldverleihern, die überließen ihm, was er brauchte, aber es regnete wieder zu stark, die Ernte fiel aus. Am Ende schuldete er eine halbe Million Rupien, keiner wollte ihm mehr etwas geben.

Er hätte sich nicht mehr befreien können daraus. Er wäre für seine Gläubiger wie ein Leibeigener gewesen. Darum wählte er den einfacheren Ausweg.

… mehr als 6000 Bauern haben sich schon umgebracht in Vidarbha … mehr als zwei Millionen Bauern sind verschuldet.”

indymedia.org zu Bt Cotton:

“„Die Anpflanzung von Gen-Baumwolle hat uns mehr geschadet als genützt“
Im Dezember 2003 verkündete der indonesische Landwirtschaftsminister, daß Mosanto sich aus Süd-Sulawesi zurückgezogen habe.

Mängel der Gen-Baumwolle: die Pflanze ging an der Dürre ein [8] und Hunderte von Hektar wurden von Schädlingen befallen [9]. Die Dürre hatte zu einer explosionsartigen Vermehrung der Schädlingspopulation auf der Gen-Baumwolle geführt, nicht jedoch auf anderen Baumwollsorten. Das Ergebnis war, daß die Bauern, anstatt den Gebrauch von Schädlingsbekämpfungsmitteln reduzieren zu können, eine andere Mischung und größere Mengen davon verwenden mußten, um die Schädlinge einzudämmen [10]. Außerdem war die Gen-Baumwolle, die gegen eine Schädlingsart, die auf Sulawesi kein größeres Problem darstellt, resistent gemacht worden war, anfällig gegen andere, gefährlichere Schädlinge.

Durch die kümmerlichen Erträge gerieten die Bauern in einen Kreislauf von Schulden [11]; etwa 70 % der 4 438 Bauern, die Gen-Baumwolle anbauten, konnten ihren Kredit nach dem ersten Pflanzjahr nicht zurückzahlen

Branita Sandhini, eine Tochtergesellschaft der indonesischen Monsanto-Filiale, hatte die Bauern im Rahmen von Kreditplänen mit Gen-Saatgut und Dünger beliefert und kaufte die Ernte auf, so daß die Bauern ihre Schulden an die Gesellschaft zurückzahlen konnten [8]. Aber da die Ernteerträge gering waren, wurden viele Bauern kalt erwischt.

Zu allem Übel erhöhte die Gesellschaft noch einseitig den Preis für das Saatgut.

Da die Gesellschaft sich weigern konnte, die Baumwollernte der Bauern aufzukaufen, hatten viele keine andere Wahl, als die höheren Saatgutpreise zu akzeptieren, indem sie eine Einwilligungserklärung mit der Gesellschaft unterschrieben. Santi, eine der Bäuerinnen, sagte: „Die Gesellschaft ließ den Bauern keine Wahl, sie hatten nie im Sinn, unser Wohlbefinden zu verbessern, sie haben uns nur in eine Schuldenfalle gestürzt, uns unsere Unabhängigkeit genommen und uns für immer zu ihren Sklaven gemacht. Sie versuchen alles zu monopolisieren: das Saatgut, den Dünger, den Vermarktungsweg und sogar unser Leben“ [8].

„Gen-Baumwolle ist ungeignet für den Anbau und sollte verboten werden“
Die von Indonesien gemachte Erfahrung wiederholt sich bei vielen Bauern in Indien, wo drei Sorten von Gen-Baumwolle 2002 zum ersten Mal in den zentralen und südlichen Landesteilen kommerziell angepflanzt wurden.

Berichte von Staatsregierungen, akademischen Wissenschaftlern, NGOs und Bauern-Organisationen zeigen jedoch, daß Gen-Baumwolle in der Wachstumsperiode 2002/2003 in vielen Gebieten ein schlechtes Ergebnis brachte und zuweilen vollkommen mißriet [13-16]. Und das derart, daß ein von der Regierung von Gujarat gebildetes Team unter dem gemeinsamen Direktor für Landwirtschaft (Ölsaaten) erklärte, daß Gen-Baumwolle „ungeeignet für den Anbau ist und vom Staat verboten werden sollte“ [17].”

nzz-Format zu Bt Cotton:

“Unzufrieden mit seinem Bt-Cotton ist Bhagwan Singh Chauhan. Er hat einen Kurs besucht und für den Samenkauf Geld geliehen, zu 3% Zins pro Monat. Aber er konnte nur ein Mal ernten, statt 10 Mal.

Sein Baumwollfeld ist verdorrt, wie das anderer Bt-Bauern der Gegend auch. Die Wurzeln nehmen keine Feuchtigkeit mehr auf. Liegt es am Samen? An der Behandlung? An einem Pilzbefall? Nutzen und Risiken von Bt-Cotton sind momentan in Indien schwer einzuschätzen.”

Ein Film von den betroffenen: Genmanipulierte Baumwolle - afrikanische und asiatische Erfahrungen mit dem tödlichen Geschäft der Konzerne

“Der Film “A Desaster in Search of Success” beschreibt die Erfahrungen aus Sicht von afrikanischen und asiatischen Bäuerinnen und Bauern. Er ist von indischen Bäuerinnen gedreht worden, in deren Gemeinden sich Bauern-Selbstmorde häufen. Sie reisen zu Kleinbauern in Südafrika, Mali, Indonesien und Thailand, um sie nach ihren Erfahrungen mit der gentechnisch veränderten Baumwollsorte „Bt-Cotton“ zu befragen. Die Ergebnisse sind schockierend:

„Auf der Monsanto-Website steht, die „Bt-Cotton“-Bauern hätten höhere Erträge und es ginge ihnen gut. Wenn wir mit denselben Bauern sprechen, sehen wir, dass sie sich darauf vorbereiten Selbstmord zu begehen oder schon tot sind wegen der Schuldenfalle. Das haben wir in unserem Film zusammengetragen.“”

“Nach der Einführung von „Bt-Cotton“, der z.B. in Indonesien mit Hilfe von korrupten Regierungsbeamten durchgesetzt wurde, steigen die Preise für das Saatgut, neue Schädlinge tauchen auf, die auch vor anderen Anpflanzungen nicht Halt machen. Die Bauern verlieren ihr Einkommen. In Indonesien führte das dazu, dass wütende Kleinbauern ihre eigenen „Bt-Cotton“ Felder niederbrannten. Die lokale Monsanto Vertretung floh daraufhin aus der Region.”

Hinweis: Dieser Artikel besteht bewusst nur aus Zitaten.

*Literatur: Der Spiegel: “Indien - Im Rausch des Aufstiegs” Heft 32, 6.8.2007, Seiten 110 / 111.

Abgelegt unter: Gelesen, Unternehmen     9. August 2007 11:13

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Giftiges Spielzeug zur Gewinnsteigerung: Mattel, Fisher Price, Barbie

Nicht Las Vegas, sondern Macau hat das größte Kasino der Welt: The Venetian Macao

Bad Homburg, der Fiskus und die Steuereinnahmen von den Reichen

Aldi, Lidl, Plus, Penny, Netto und Norma: Spartrieb stärker als Sexualtrieb

Kommentare geschlossen.

Aktuelle Artikel

Kategorien

Blogroll

Archiv