Notenbanken füttern Spekulanten – Notenbanken beruhigen Finanzmärkte
So unterschiedlich kann die Bewertung ausfallen: taz – die tageszeitung spricht von “Notenbanken füttern Spekulanten” und die Financial Times Deutschland spricht von “Notenbanken beruhigen Finanzmärkte”. Beide jeweils heute auf der ersten Seite.
Taz: “Die Europäische Zentralbank zahlt erneut fast 50 Milliarden Euro an Geldinstitute. Damit soll der Kreditmarkt vor dem Kollaps bewahrt werden. Die Finanzspritze hilft auch Hedge-Fonds-Managern.” Daneben ein Bild von einem jungen Mann, der mit schwarzen Lacklederschuhen, Anzughose, Hemd, Krawatte und Sonnenbrille sich gerade auf einem großem Berg Geld eine Zigarre mit einem Geldschein anzündet.
FTD: “Mit weiteren milliardenschweren Liquiditätsspritzen haben die Notenbanken für Entspannung an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpte gestern nochmals knapp 48 Mrd. € in den Kreislauf. Auch die US-Notenbank Fed und die Bank of Japan intervenierten. Zusammen stellten sie umgerechnet 5,2 Mrd. € zur Verfügung. Weltweit verzeichneten die Börsen erstmals seit Tagen wieder deutliche Kursgewinne.
Ich persönlich habe viel Sympathie für die taz. Häufig bringt sie Details und Analysen, die so keine andere Zeitung bringt. Und auch im weiteren hat sie in diesem Artikel Recht, wenn sie sagt, dass solch ein Vorgehen für Spekulanten als eine kostenlose Versicherung angesehen werden kann. Nur leider hat sie damit nur teilweise Recht – Versicherung in Art eines Schutzes vor stark steigenden Zinsen. Verluste durch Fehlspekulation werden natürlich nicht ausgeglichen.
Und hier ist genau der Punkt, an dem die taz heute ihre Leser meiner Meinung nach bewusst täuscht: Die taz schreibt “zahlt … an Geldinstitute”. Ich war sehr erschrocken, weil ich mir heute Morgen zuerst die taz angeschaut habe. Was unsere Europäische Zentralbank zahlt einfach an die durch ihre dämliche Spekulation selbst in Probleme gekommenen Geldinstitute einfach mir nichts, dir nichts 50 Mrd. €?
Nein. Die EZB stellt 50 Mrd. € mehr Liquidität zur Verfügung, die die Geldinstitute wie sonst auch zu den tagesaktuellen Konditionen bei der EZB leihen können. Und natürlich zurückzahlen müssen.
Der Effekt einer von der EZB erhöhten Liquidität ist, dass die Konditionen für diese Geldleihe – die Zinsen – niedriger werden. Nicht mehr und nicht weniger.
Die FTD klärt noch etwas auf: “Am Geldmarkt sorgte die Nervosität dafür, dass die Banken einander kein Geld mehr liehen – was die Notenbanken zu den beispiellosen Sofortmaßnahmen bewegte.
…
“Die Märkte haben verstanden, dass die Zentralbanken über ein sehr machtvolles Instrument verfügen, um eine Liquiditäts- oder Finanzkrise zu verhindern”, sagte Allianz-Chefökonom Michael Heise. “Das trägt zur Beruhigung bei.” Nach Einschätzung der EZB “normalisiert” sich der Geldmarkt. Am Donnerstag hatte sie den Banken noch kurzfristig 95 Mrd. € zur Verfügung gestellt. Indem die Notenbank die Liquiditätszufuhr senkt, entzieht sie dem Mart das zusätzliche Geld wieder schrittweise.”
Ganz schwache Leistung liebe taz. Ganz schwach.
Abgelegt unter: Gelesen, Nachgedacht 14. August 2007 11:42
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