Suchmaschine Quaero als staatlicher Google-Konkurrent

Die deutsche und französische Regierung möchten sich einen Konkurrenten zu Google bauen: Quaero.

Quaero soll eine Suchmaschine finanziert durch staatliche Gelder sein, die nach den Wunschvorstellungen der beiden Regierungen viel besser sein soll, als Google, Yahoo und MSN. So sollen multimediale Inhalte wie Audio- und Videodateien durchsuchbar werden. Man rechnet damit, dass Quaero in “schon” drei bis fünf Jahren marktreif sei.

Handelsblatt:

“Am Fraunhofer Institut Digitale Medientechnologie wurde eine Suchmaschine entwickelt, die Lieder nach einem vom Menschen gesummten Ton erkennt. An der Uni Karlsruhe arbeitet man daran, englisch-sprachige Bild- und Textdokumente mit deutschen Begriffen zu durchsuchen. Die Ergebnisse sollen in deutsch erscheinen. Auch die Digitalisierung von Büchern sowie die Archivierung von Bild- und Tondaten soll das neue Projekt umfassen.

Die deutsche Industrie scheint sich derzeit nicht gerade um eine Projekt-Beteiligung zu drängen. Bertelsmann-Tochter Arvato dementiert Berichte, ihre Datenmanagement-Tochter Empolis übernehme bei Quaero die industrielle Führung auf deutscher Seite. Nur eine Beteiligung würde geprüft. Die Deutsche Telekom äußert sich auf Anfrage nicht. Branchenkenner sehen eine Beteiligung jedoch skeptisch, weil das Projekt zu weit vom Kerngeschäft des Bonner Konzerns entfernt sei. Als weitere Kandidaten werden SAP und Siemens gehandelt.”

Mit Quaero möchten die deutsche und französische Regierung an den Erfolg von Airbus anknüpfen. Das ist auf den ersten Blick auch schön und gut. Nur glaube ich, dass ausser einem finanziellen Desaster dabei nichts rauskommen wird.

Seit wann ist staatliches Handeln flexibel, schnell und hat ein Ohr an den Bedürfnissen der Internet-Nutzer? Und seit wann sind staatliche Software-Entwicklungen stabil, lauffähig und leistungsstark? Und was passiert erst, wenn die Deutsche Telekom da mitmischt (Stichwort: Hartz-IV-Software und Toll Collect).

Die Idee mit Quaero ein weiteres, unabhängiges Schwergewicht im Suchmaschinen-Markt zu schaffen finde ich grundsätzlich gut. Allerdings halte ich es für Traumtänzerei zu glauben, dass Google (oder auch Yahoo und MSN) in der Zwischenzeit Däumchen dreht und nicht schon lange an einer Audio- und Videosuche arbeitet oder ein entsprechendes kleines High-Tec-Unternehmen aufkauft - und dabei nicht noch schneller und besser sein wird, weil näher am Markt und an den Bedürfnissen der Nutzer.

Abgelegt unter: Nachgedacht, Politisches, Unternehmen     23. January 2006 12:51

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