Susanne von Hein: Kaufhaus Georg Diener in Hofheim mit Total-Ausverkauf und Geschäftsaufgabe - eine Werbeaktion?
Vor ein paar Tagen konnte ich im Höchster Kreisblatt (örtliche Regionalzeitung) lesen, dass das Kaufhaus Georg Diener in der Hofheimer Innenstadt geschlossen wird:
“Inhaberin Susanne von Hein hat gestern in einem Rundschreiben ihre Stammkunden über die Schließung informiert und diesen Entschluss mit einer „Talfahrt des innerstädtischen Einzelhandels“ in Hofheim begründet. Die Stadtverwaltung und der Gewerbeverein IHH zeigten sich über diese Entwicklung überrascht und verärgert.
Dass es das Geschäft seit 1845 gibt, sagt über die Bedeutung, das es für die Hofheimer hat, noch gar nicht so viel aus. „Diener“ ist für viele die erste Anlaufstelle, wenn es um Porzellan, um Haushaltsartikel und um Spielsachen geht. Der Weg zum Kindergeburtstag führte für viele Hofheimer seit Jahrzehnten nicht an dem Geschäft in der Hauptstraße vorbei. Ebenso wichtig ist Diener für die anderen Läden in der mitteleren Hauptstraße – das Traditionsgeschäft lockt die Kunden an, die dann auch in der Nachbarschaft noch Schuhe, Bücher oder Wein einkaufen.”
Die Hofheimer Einzelhändler sind offenbar etwas überrascht und schockiert:
“In der Hofheimer Geschäftswelt stößt die Begründung für diesen Schritt weitgehend auf Unverständnis. „Das ist so nicht nachzuvollziehen“, sagt Peter Blumenberg, der Vorsitzende des Gewerbevereins IHH. Es gebe auch keine Talfahrt des innerstädtischen Einzelhandels, und jetzt schon wegen des Fachmarktzentrums zu schließen, das sei „Selbstmord aus Angst vor Krankheit“. Wenn es Probleme mit dem Standort gebe, müsse man sich persönlich engagieren, um ihn zu verbessern.”
Selbstmord aus Angst vor Krankheit?:
“Dass die Baumarktkette „Globus“ die Firma Graulich übernimmt, dass am Chinonplatz ein Fachmarktzentrum entsteht, dass das Main-Taunus-Zentrum erweitert wird – das alles kann aus ihrer Sicht ihr Geschäft in den Ruin treiben. „Ich habe mich daher zur rechtzeitigen, vollständigen Geschäftsaufgabe entschlossen und werde versuchen, sämtliche Waren durch erhebliche Preisnachlässe möglichst restlos zu räumen“,”
Die Firma Georg Graulich ist ein Baumarkt, der sich durch viele gute Mitarbeiter mit sehr guter Beratung auszeichnet - für die heutige Zeit leider auch durch manchmal zu hohe Preise. Letztendlich übernimmt aber eine Baumarktkette einen Baumarkt - es kommt nichts zusätzliches.
Das geplante Fachmarktzentrum am Chinonplatz in Hofheim wird wohl wirklich ein hässlicher Klotz, stellt aber eigentlich keine Konkurrenz für das Kaufhaus Diener dar. Bisher sind Edeka - in Form des schon in Hofheim mit einem großen Ladengeschäft ansässigen privaten Supermarktes “Buch” (inkl. umfangreichem Bio- und Reformhaus-Angebot) -, Alf´s Sportladen - auch schon in Hofheim ansässig, das Textilunternehmen AWG und C&A - mit einem kleineren Family Store - und ein Kinocenter vorgesehen.
Und die Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums von 79.000 auf 90.000 Quadratmeter Verkaufsfläche? Ach Gott, bis das über die Bühne gegangen ist, fließt noch viel Wasser den Main hinunter. Ist das überhaupt schon genehmigt oder laufen da erst die Planungen - Bauvoranfrage - an?
Und ob im MTZ durch die Erweiterung noch extra Konkurrenz für das Sortiment vom Kaufhaus Diener entsteht - Kaufhof, Karstadt, Vedes und Geschäfte mit Haushaltswaren gibt es schon und in diesem Bereich ist glaube ich auch nicht der Schwerpunkt der Erweiterung des MTZ.
Wie sagte die Bürgermeisterin von Hofheim, Gisela Stang (SPD) vor kurzem in der FAZ: “Hofheim ist wegen der Entfernung nicht die am stärksten betroffene Kommune.”
Und was sehe ich jetzt im Höchster Kreisblatt?
Georg Diener - Total Ausverkauf Geschäftsaufgabe
Eine Anzeige zur Geschäftsaufgabe mit großen Buchstaben - “Massenmärkte treiben Hofheims Cityfachhandel in den Ruin!“, einem kleinen Bild von Susanne von Hein und einem mit sich selbst geführten Interview im Stil der ständigen Geschäftsaufgaben, Totalausverkäufe und Räumungsverkäufe von Teppichläden.
Dort sagt Sie erstmal selbst, dass die Schließung des Kaufhaus Diener wohl noch nicht notwendig ist: “Die Massenmärkte werden uns in Ruingefahr bringen!”
Ruingefahr - doch Selbstmord aus Angst vor Krankheit? Oder eine gute Gelegenheit das Geschäft zu schließen, keine Lust mehr oder einfach nur ganz, ganz große Angst mit den eigenen Fähigkeiten das ertragreiche Geschäft zu sichern?
Was mich richtig an Teppichladen-Dauerausverkäufe erinnert:
“Wann gehen bei Diener die Lichter aus?
S. von Hein: Wir beginnen ab sofort mit unserem Totalausverkauf und werden versuchen, unser riesiges Warenlager an Glas, Porzellan, Hausrat und Spielwaren möglichst restlos zu räumen. Das geht nicht von heute auf morgen. Unser Angebot an hochwertiger und designstarker Markenware ist so umfangreich, dass es selbst bei erheblichen Preisnachlässen einige Zeit dauern wird, bis wir alles ausverkauft haben.
…
Und - bis Ende November - die Möglichkeit der Extra- und Nachbestellung. Was wir nicht vorrätig haben, können unsere Kunden bis dahin mit Rabatt bestellen.
…
Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus?
S. von Hein: Wie ich persönlich die Schließung unseres 160 Jahre alten Familienbetriebes und auch die Trennung von guten, treuen Mitarbeitern verkrafte … und was ich nach dem Totalausverkauf beruflich mache - daran kann ich momentan noch nicht denken.”
Nach meiner Einschätzung wird Frau Susanne von Hein nach dem Totalausverkauf - dem dazugehörigen Umsatzanstieg und dem Geld in der Kasse sich ganz plötzlich besinnen und das Kaufhaus Georg Diener in Hofheim nicht schließen bzw. wiedereröffnen.
Das ist zumindest der Eindruck, den ich aus der Art der Aufmachung und dem Inhalt der Totalverkaufs-Anzeige und den eigentlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten in Hofheim gewinne.
Ich bin mir aber sicher, dass ich mich irre und Frau Susanne von Hein ganz einfach bei der Anzeigengestaltung falsch beraten wurde und einfach mehr Weitblick als die anderen örtlichen Einzelhändler in Hofheim und der Gewerbeverein IHH hat und die Geschäftsaufgabe echt und nicht nur eine Werbeaktion ist.
Wäre auch zu schade, wenn das Kaufhaus Diener am Ende so geht wie im Nachbarort das Krifteler Lampenstudio, das zuletzt über Jahre hinweg ständige Räumungsverkäufe und ähnliche Aktionen hatte.
Das bringt zwar im Moment das schnelle Geld, aber Vertrauen der Kunden und Ansehen bringt es nicht. Wobei ich mich im Falle des Lampenstudios frage, was zuerst da war und vor einiger Zeit endlich zum letzten Räumungsverkauf führte: Fehlende Kunden oder fehlendes Vertrauen durch die unglaubwürdigen Aktionsverkäufe.
Ich bin gespannt, wie lange der Totalausverkauf im Kaufhaus Diener dauern wird, wann und ob das Geschäft wirklich geschlossen wird (und was vielleicht andere Einzelhändler daraus lernen können).
Abgelegt unter: Geworben, Kundenservice, Nachgedacht 1. September 2006 10:23
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3 Kommentare
Fuzzie | 6. February 2007 12:44
Wirklich erstaunlich weitsichtiger Kommentar.
Heute, am 6. Februar 2007, also über ein halbes Jahr später, steht wieder eine entsprechend aufgemachte “Räumungsverkauf” Anzeige in der FAZ.
Sehr unglaubwürdiges Geschäftsgebaren…
Kukanac | 24. February 2007 11:07
Die Frau von Hein war zu Ihren Mittarbeitern immer [Edit - gelöscht] gewesen. Typisch für eine [Edit - gelöscht]. Ich hoffe es geht ihr bald so wie es ihren Mittarbeirerinnen und Mittarbeitern schon lange ging.
Wer für andere keinen Respekt und Achtung hat, kann so einen Laden nicht führen.
Sie persönlich hatt es mit ihrer [Edit - gelöscht] Art zugrunde gerichtet.Jetzt gilt es nur noch ohne Rücksicht auf ihre Mittarbeiter und Hofheimer Geschäftsleute alles zu verramschen und abzuhauen.
Sie ist einfach zu [Edit - gelöscht]. Sie hat den Kirschenbaum gefällt.Nächstäs Jahr trägt der baum keine Kirschen mehr.
Die können jetzt da der Baum am Boden liegt, mühelos gepflückt werden.
Aber nur von der Frau Susanne von Hein.
[Edit - gelöscht]
Ich freue mich für sie
Kuki
soni | 9. March 2007 09:17
Ich habe frau Von Hein sehr gut kennengelernt und ich kan den Komentar von Kuki nur bestätigen. Sie ist so ein [Edit - gelöscht] Mensch das kan man sich garnicht vorstellen ohne es selbst erlebt zu haben.
Kommentare geschlossen.